Citizen Science kompakt

Citizen Science ist eine Kooperation mit BürgerInnen vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Fragestellung aus der potenziell zusätzliche Bedürfnisse an die Planung und Durchführung eines Projektes resultieren. Im Gegenzug können aber Forschungsfragen entweder überhaupt erst bearbeitet, oder neue Aspekte in ein Forschungsfeld eingebracht werden. Citizen Science geht daher immer über reine Wissenschaftskommunikation hinaus und ist mit vielen Abwägungen und methodologischen Fragen verbunden.

Mit Citizen Science arbeiten

Die Grundlagen für Citizen Science ist erst einmal denkbar einfach: BürgerInnen sollen an irgendeinem Punkt an dem Forschungsprozess einbezogen werden und an diesem entweder durch das Erzeugen von Daten, das Bereitstellen von Wissen oder anders gearteter Tätigkeiten zu diesem beitragen. Dies geschieht oftmals, wenngleich nicht ausschließlich unter Einsatz von modernen Kommunikationstechnologien (häufig über Smartphones und Apps).

Ausgehend von diesem einfachen Grundkonzept, liegt der Teufel aber im Detail was aber starke Auswirkungen auf die Bedürfnisse, der unterschiedlichen Projekte hat. Folgend finden sich einige Abwägungen, die häufig im Rahmen von Citizen Science gemacht werden und Auswirkungen auf die Operationalisierung eines Projektes haben können:   

  • Wie und in welchem Teil sollen BürgerInnen in das Projekt integriert werden?
  • Soll dies offline oder online geschehen?
  • Benötigt man zur Durchführung große Gruppen von BürgerInnen oder kleine Gruppen die über spezielle Fähigkeiten oder Wissen verfügen?
  • Besteht die Zielgruppe eher aus jungen oder alten Menschen?
  • Wie können die BürgerInnen rekrutiert werden? (Existieren bereits Communities (beispielsweise in Vereinen) auf die das Projekt aufsetzen kann, oder ist man auf mediale Aufmerksamkeit angewiesen?
  • Wie viel Wissen müssen die BürgerInnen mitbringen, sind beispielsweise Einschulungen nötig?
  • Auf welche vorhandenen Infrastrukturen (z.B. vorhandene digitale Tools), welches vorhandene Wissen kann das Projekt aufbauen?
  • Welche Laufzeit hat das Projekt? Soll es beispielsweise nach Ende der Projektlaufzeit von BürgerInnen weitergetragen werden können?

All diese und sicher noch viele andere Abwägungen ergeben schließlich ein Citizen Science Projekt und erklären auch die Diversität von Projekten die sich derzeit unter diesem Begriff sammeln. Dabei kristallisieren sich in einzelnen Disziplinen bestimmte Antworten auf die hier gelisteten Fragen heraus. Die daraus gesammelten Erfahrungen können nun dabei helfen, dass andere Disziplinen hieraus lernen und eigene Zugänge zu der Methode entwickeln können. Unabhängig von den oben gelisteten möglichen Abwägungen gibt es aber auch Aspekte, die bei der Umsetzung fast aller Citizen Science Projekte relevant sein dürften, die im Folgenden kurz aufgeschlüsselt werden sollen.

Aus der Kooperation mit BürgerInnen resultieren potenziell weitreichende Folgen für die Arbeitsweise eines Projekts, mit denen man sich im Vorfeld auseinandersetzen sollte. Man muss sich beispielsweise im Klaren darüber sein, dass man mit (mitunter großen Gruppen) von Menschen zusammenarbeitet, woraus sowohl methodologische als auch soziale Aspekte ergeben.

Methodologisch bedeutet Citizen Science häufig, dass es beispielsweise möglich wird bisher unerreichbare Daten oder Wissensbestände anzuzapfen, es allerdings im Gegenzug (vor allem bei digitalen Projekten) mit unbekannten TeilnehmerInnen zu tun hat. Will man nun nicht jeden Datensatz manuell überprüfen (was besonders bei großen Datensätzen zeitaufwändig werden kann), ist es ein wichtiger zentrales Feld bei der Umsetzung von Citizen Science sich damit auseinanderzusetzen wie die Qualitätssicherung im Rahmen des Projektes operationalisiert werden kann. Dabei kann es eben auch helfen, von bereits umgesetzten Citizen Science Projekte zu lernen.

Auf der sozialen (bzw. zwischenmenschlichen Ebene) bedeutet Citizen Science oftmals einen Mehraufwand, der nicht zwangsläufig im direkten Zusammenhang mit der Forschungsfrage stehen muss, aber sehr wohl zum Erfolg eines Projektes beitragen kann. Die BürgerInnen wollen beispielsweise Feedback, wodurch mehr kommuniziert werden muss als sonst im Rahmen der Forschung üblich. Es ist daher für Citizen Science auch wichtig sich eine Kommunikationsstrategie überlegt zu haben, um einerseits nicht die BürgerInnen zu enttäuschen, aber andererseits den Aufwand für das Projekt nicht allzu sehr zu überspannen. Projektbezogen ist es bei Citizen Science hilfreich eher auf iterative Prozesse zu setzen, weil man von „außen“ (also den BürgerInnen) kommend, immer wieder mit neuen und durchaus spannenden Aspekten konfrontiert werden kann.

Schließlich resultiert aus Citizen Science ganz grundsätzlich eine verstärkte Notwendigkeit zu Offenheit und Transparenz. Schlagworte wie Open Science und Responsible Research and Innovation (RRI) finden sich nicht umsonst häufig im Umfeld von Citizen Science. Für die Umsetzung bedeutet Citizen Science meistens, dass erzeugte Daten und publizierte Ergebnisse für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Es ist also Hilfreich das schon am Anfang eines Projektes mitzudenken, wie dies im Rahmen des Projektes umgesetzt werden kann, da auch dies mit einem Zusatzaufwand verbunden sein kann. Vor allem weil mit Citizen Science auch geboten ist die Daten nicht nur im Sinne von Open Science einfach frei zugänglich zu machen, sondern dies in einer Weise zu tun, dass eben auch Laien etwas damit anfangen können. Hierbei können etwa Konzepte aus der Visualisierung helfen, weshalb es hilfreich sein kann Citizen Science Projekte transdisziplinär anzulegen.